Der Status quo der Evolution und wie es weiter geht

Eines vorweg: Radfahren ist nicht gesund. Schwimmen übrigens auch nicht.
Haben wir uns vor einiger Zeit abgewöhnt. Seitdem laufen wir. Schon länger übrigens auf zwei Beinen. Nicht mehr auf vieren: Soviel zum „Nordic Walking“.
Der menschliche Körper hat sich inzwischen recht gut auf den aufrechten Gang eingeschossen. Mehr noch, nur so funktioniert er. Knochen, Knorpel, Muskeln, Gelenke, Bandscheiben, sie alle benötigen die täglichen Anforderungen, die der aufrechte Gang mit sich bringt, um ihre Funktionen zu erhalten, zu trainieren. Was wir nicht trainieren, geht verloren.
Das weiß jeder, der nach zwei Wochen seinen Gipsverband abnimmt. Von den Schmerzen durch Haltungsschäden während dieser Zeit ganz zu schweigen. Von genau diesem Mechanismus ist unsere Zeit geprägt. Nur weniger intensiv und über einen längeren Zeitraum. Unmerklich, über Jahre und Jahrzehnte geht unsere körperliche Leistungsfähigkeit zurück.
Was also ist passiert?
Wir geben uns mit Begeisterung den Errungenschaften der Zivilisation hin. Tägliche Nahrungssuche? Wir haben einen Kühlschrank. Einmal die Woche reicht. Selber sammeln, anbauen, ernten, totschlagen? Gibt es schlecht bezahlte Spezialisten für.
Macht die Produktion billig, so dass wir fürs gleiche Geld mehr fressen können. Ergo: Weniger Bewegung, mehr essen. Klarer formuliert: Weniger Energiebedarf, mehr Energiezufuhr.
In der Folge werde ich nicht über Qualität der Nahrung sprechen. Ohne Zweifel ist auch dieses ein abendfüllendes Thema. Mir geht es um die Qualität der Bewegung.
Womit wir wieder beim Radfahren sind.
Durchaus geeignet, arthrotische Kniegelenke eines Übergewichtigen vorm kompletten Versteifen zu bewahren. Oder die Umwelt zu schonen. Oder aus Spaß. Aber bitte nicht, weil es gesund ist.
Kommen wir zum Thema Nummer eins: Wirbelsäulensyndrom - Rückenschmerzen auf deutsch.
Meist unbekannter Ursache, kein Sturz, keine Prellung, kein Wirbelbruch. Gott sei Dank, manchmal wenigstens Osteoporose. Übrigens auch unbekannter Ursache. Oder genetisch. Oder abgeflachte Bandscheiben durch Fehlhaltung. Oder Verschleiß. Mit Anfang 30? Beim Bau der Pyramiden – ja klar – aber heute? Überfluss in der Ernährung. So viel Freizeit wie noch nie in der Menschheitsgeschichte.


  Sport- und Wellnessangebote in Hülle und Fülle. Eines der besten medizinischen Versorgungssysteme weltweit. Jeder Zweite kennt Rückenschmerzen. Der absolute Dauerbrenner auf Deutschlands gelben Scheinen. Kann ja auch niemand das Gegenteil beweisen. Aber es gibt einen Weg. Einen Weg mit dem Körper – nicht dagegen.
Dieser Weg beginnt mit Verständnis. Und Dankbarkeit. Unser Körper verzeiht enorm viel. Passt sich jedem Lebensstil nahezu klaglos an. Bis der berühmte Tropfen auf den heißen Stein kommt. Lassen Sie uns lernen, rechtzeitig Hinweise wahrzunehmen. Den Körper kennenzulernen, Grenzen zu erkennen, zu erweitern. Leistungsfähigkeit und Spaßpotenzial zu erhöhen und auszukosten. Verständnis kommt von Verstand, das wiederum von Verstehen. Um den Körper angemessen benutzen zu können, brauchen wir also Wissen. Täglich anwendbares, praktisches Wissen. Auf diesen Weg lade ich Sie ein. Als vor dreieinhalb Millionen Jahren der Baumbestand in Ostafrika, der Wiege der Menschheit, allmählich knapp wurde, musste „Lucy“ die nächsten Schritte der Evolution auf festem Boden tun. Und zwar der besseren Übersicht wegen auf zwei Beinen. Seitdem muss unsere Wirbelsäule auf die Arme als Stütze verzichten, mehr noch, durch die senkrechte Position der Wirbelsäule lastet das gesamte Gewicht des Oberkörpers – inklusive das der Arme – auf der Wirbelsäule selbst. Die maximale Belastung erfährt dabei der unterste Wirbel bzw. die unterste Bandscheibe. Dreieinhalb Millionen Jahre Training sollten allerdings ausgereicht haben, sämtliche Strukturen an diese Belastung anzupassen. Immerhin erlangen wir durch die Senkrechte nicht nur eine einzigartige Übersicht, gepaart mit der Spezialisierung unserer Beine und Füße bzw. Arme und Hände. Wir sind zudem in der Lage, mit geringstmöglichem Kraftaufwand unserer Rumpfmuskulatur Wirbel auf Wirbel zu balancieren, ja den ganzen Körper nahezu ausschließlich durch Gewichtsverlagerung durch den Raum zu bewegen. Zumindest theoretisch. Denn sobald sich ein Baustein nicht optimal ins Gesamtgefüge integriert, ist Haltearbeit notwendig, um nicht umzufallen. Der Anfang allen Übels. Denn wir bekommen davon gar nichts mit. Mehrarbeit führt zu Trainingseffekt, also höherer Leistungsfähigkeit. Einer der aufrechten Haltung entgegenwirkenden Muskulatur, wohlgemerkt. Es entstehen Automatismen und ein sehr subjektives Empfinden von „gerade“. Diese Fehlhaltung zusammen mit höherer Muskelspannung führen zu einem durchaus vermeidbaren Gelenkverschleiß. Richten wir uns also auf, entspannen unsere Muskulatur, entlasten unsere Gelenke, und Lucy hat sich nicht umsonst lang gemacht.